Exkursion nach Flossenbürg am 27.06.2015

Ostbayernkurier

Donnerstag, 09 Juli 2015 14:51

Nazi-Barbarei und Granit 

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Nazi-Barbarei und Granit

Mit Schweiß und Blut wurde der Granit aus den bewaldeten Bergen rund um Flossenbürg gebrochen. Seit über 900 Jahren thront auf einem Granitberg eine Burg, das Wahrzeichen des Ortes im Nördlichen Oberpfälzer Wald. Dieser wurde unter Nazi-Herrschaft aber auch für Tausende Zwangsinhaftierter zu einem Ort des Schreckens. Die Gedenkstätte des Konzentrationslagers war unter anderem auch das Ziel einer Exkursion der Akademie Neunburg.

Zum Jahresthema „Stein“ führte eine Exkursion der Akademie für Natur und Industriekultur Ostbayern-Böhmen ins Naturparkland Oberpfälzer Wald. Exkursionsführer Hans Fischer und Stefan Ebeling führten die Teilnehmer an den „Ort des Granits“, wie Flossenbürg auch genannt wird. Erste Station war das Burg- und Steinhauermuseum, wo Dr. Andreas Boos über Ausgrabungen berichtete, die auf dem Burgberg durchgeführt wurden. In vielen Vitrinen waren zahlreiche Exponate zur Geschichte und zum Leben auf der Burg zu sehe

Heimatpfleger Richard Schedl erzählte den Neunburgern von der Granitgewinnung, zeigte verschiedene Spaltwerkzeuge, Presslufthämmer und Hebewerkzeuge, die beim Granitabbau vor Ort in Gebrauch waren. Rund 50 Betriebe waren während des Krieges in Betrieb, während heute nur noch fünf große Betriebe den Granit abbauen, der sich durch ein Farbspektrum von gelbgrau bis Blaugrau auszeichnet, erklärte Schedl. Der KZ-eigene Steinbruch am Wurmstein verwertete das Gestein für die DEST, die Deutschen Stein- und Erdwerke, die dem SS-Reichsführer Heinrich Himmler unterstanden. Flossenbürger Granit fand Verwendung im Tannenberg-Denkmal, auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, in deutschen Großstädten und mit ihm sollte auch „Germania“ erbaut werden, erinnerte Heimatpfleger Schedl. 

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Als nächster Programmpunkt stand die Besichtigung der stattlichen Burgruine auf dem 732 Meter hohen Schloßberg an. Burgenfachmann Dr. Boos berichtete von den Anfängen der stauffischen Königsburg, dessen berühmtester Besitzer Kaiser Friedrich Barbarossa war. Um 1100 begann man mit dem Bau der Feste, die ein Bollwerk gegen Angriffe aus Richtung Osten war und auch der Sicherung wichtiger Verkehrswege diente. Im 16. Jahrhundert verlor die Burganlage an Bedeutung, wurde gebrandschatzt und diente schließlich als Steinbruchlager, wo sich die Bevölkerung bediente, wusste Dr. Boos zu berichten.

Auf dem „Weg des Granits“, der rund um das alles überragende Bollwerk führt, konnte die Besuchergruppe den bis 1965 in Betrieb stehenden Steinbruch bestaunen, der durch seine ausgeprägten „Zwiebelschalen“ bekannt ist. Die einzigartige Granitkuppe unterhalb der Imposanten Burganlage wurde 2008 in die Liste der "100 schönsten Geotope Bayerns" aufgenommen.

Flossenbürg wurde seit jeher vom Urgestein geprägt. Der Granit verhalf der Gemeinde in „Bayrisch-Sibirien“ auch noch zu einer weiteren Bekanntheit, als Ende der 1930er Jahre die Gemeinde in den Focus der Nationalsozialisten rückte. 1938 trat die SS offiziell an die Gemeinde heran und bekundete ein Lager für Schwerverbrecher bauen zu wollen. Diese sollten den vorkommenden Granit ausbeuten und damit das 1000jährige Reich aufbauen. Schon im Mai 1938 kamen die ersten 250 „politisch anders denkenden“ Häftlinge aus dem KZ Dachau, betonte der Gedenkstättenleiter der schon seit 1947 bestehenden KZ-Grab- und Gedenkstätte Flossenbürg. Dessen Besichtigung war ein weiterer Höhepunkt der Exkursion.

Als die Gruppe auf dem Appellplatz, dem Platz des Schreckens, vor der Kommandantur steht, ist es kaum vorstellbar, was sich hier tagtäglich beim Apell früh morgens und abends abspielte. Das dunkelste Kapitel deutscher und speziell Flossenbürger Geschichte versuchte der Führer auf einem Rundgang durch das Lager den Besuchern näher zu bringen. Rund 100 000 Häftlinge wurden von der SS-Führung im Konzentrationslager gefangen gehalten. Für viele war es die Hölle auf Erden. Mindestens 30 000 Menschen überlebten den Nazi-Terror nicht. Hier wurden auch die „persönlichen Gefangenen von Adolf Hitler“ hingerichtet. Admiral Wilhelm Canaris, General Hans Oster und der Theologe Dietrich Bonhoeffer wurden hier gehenkt. Zwischen Mahnmalen und Massengräbern vorbei geht es zum „Tal des Todes“, wo sich ein deprimierendes Gefühl die Besucher beschleicht. „Wir wollen hier an das erinnern, was Menschen vor 70 Jahren anderen Menschen angetan haben“, betonte der Führer.

Als die Amerikaner am 23. April 1945 das KZ betreten ist es fast leer. Lediglich rund 1500 mehr tot als lebendige Kreaturen finden sie in den „Sterbebaracken“. Kurz zuvor wurden Tausende von Hunger und Seuchen gezeichnete Gefangenen auf die Todesmärsche geschickt. Eine Todesspur führte damals auch durch Neunburg. Für die hier ermordeten KZ-Häftlinge wurden später Gedenkkreuze in Flossenbürg aufgestellt.

 




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