Steinskulpturen in Böhmen, Vortrag am 17. Sep. 2015

Im historischen Schloss­Saal in Neunburg vorm Wald widmete zum Jahresthema „Stein“ die Akademie für Natur und Industriekultur Ostbayern-Böhmen eine eigene Veranstaltung der Steinkunst im Nachbarland Böhmen.


In seinem Vortrag „Steinskulpturen in Böhmen“ nahm Dr. Wolf-­Dieter Hamperl aus Altenmarkt an der Alz die Zuhörer mit in seine ehemalige Heimat. An vielen Orten Westböhmens finden sich in ihrer Zahl und Qualität herausragende Beispiele der Steinplastik. Die augenfälligsten Kunstwerke fallen einem Besucher Böhmens auf den Marktplätzen vieler Orte auf. Dreifaltigkeits­ oder Mariensäulen, wegen der Gelübde zu ihrer Entstehung auch Pestsäulen genannt, bilden oft die markanten Mittelpunkte. Vielfach sind sie auch mit aufwändigen Figurengruppen umgeben, die die Erzengel oder Pestheilige wie den hl. Sebastian darstellen. Dr. Hamperl präsentierte dazu Beispiele aus Elbogen, Karlsbad, Luditz Tepl, Plan und Stříbro.


Der volkstümliche Spruch „auf allen Brucken stehen Nepomuken“ verweist auf eine weitere Besonderheit in Böhmen. Dem heiligen Johannes von Nepomuk (geb. 1350, Märtyrertod 1393), einem der Nationalheiligen Böhmens, sind unzählige Denkmäler an und auf Brücken gewidmet. Besonders nach seiner Heiligsprechung im Jahr 1729 nahm seine Verehrung und in deren Folge die Errichtung vieler Denkmäler diesseits und jenseits der Grenze zu seinen Ehren einen großen Aufschwung. Dr. Hamperl zeigte dazu Bilder der Figuren aus Waldau, Waidhaus, Přimda, Draš, Bela und Bor.


In größerem Umfang widmete er sich auch der Stadt Eger: die romanischen Steinarbeiten an den Domtürmen, das gotische Schiff, die große Treppe hinauf, geschmückt mit Heiligenfiguren, darunter der hl. Vinzenz, der Stadtpatron von Eger. Bemerkenswert am Rathaus aus der ersten Hälfte des 18. Jh. sind die Granitverzierungen und Simse, der „wilde Mann“, eine Herkulesdarstellung, Granitkartuschen, geformt wir ein Maul, mit dem Egerer Wappen. Plastische Dekoration findet sich auch am „Grünerhaus“ und am Spital sowie in der Burg mit Beispielen romanischer Steinkunst. Erwähnt wurde auch der berühmte „Wastl von Eger“ eine „Rolandsfigur“, Zeichen der Gerichtsbarkeit einer Stadt. 


Doch nicht nur im Bild der Städte, auch im ländlichen Bereich sind bemerkenswerte Zeugnisse der Steinplastik zu finden: Wegsäulen, Denkmäler verschiedenster Art, Epitaphien in Kirchen und vor allem die Grabsteine auf den Friedhöfen zeugen von der Kunstfertigkeit einzelner Bildhauer und Bildhauerfamilien, z.B. im Kreis Tachov, in Alt-Sedlitz und Neu­Sedlitz und Purschau. Eine besondere Rolle nehmen dabei die jüdischen Friedhöfe ein. Als Besonderheiten nahe der Grenze erwähnte Dr. Hamperl die Kuppelkrone der Klosterkirche von Kladruby im Stil der sog. Barockgotik und die im dortigen Kreuzgang aufgestellten Figuren des Bildhauers Mathias Bernhard Braun, von dem auch ein Teil der Figuren im Kircheninneren stammt. Ergänzend präsentierte Dr.Hamperl auch eine

Figurengruppe im Gelände bei der Wallfahrtskirche St. Anna nordwestlich von Plana.


Den Schlusspunkt des Vortrags bildete die 1126 errichtete Burg Přimda, die nicht nur eine der ältesten steinernen Burgen in Böhmen ist, sondern auch mit ihren romanischen Bauelementen eine besondere Stellung innerhalb der Burgenarchitektur Europas einnimmt. Die von Dr. Hamperl ausgewählten Bilder zeigten exemplarisch den Reichtum der Steinkunst in Böhmen, der auch in anderen Regionen des Nachbarlandes immer wieder zu bestaunen ist. Fesselnd, kundig und kurzweilig wusste der Referent die Zuhörer zu begeistern.

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