Vielfalt für die Biogasanlage -  Feldtag Energiepflanzen

Dauerkulturen, Wildpflanzen-

mischungen oder doch einjährige Kulturen. Welche Pflanzen können den Mais nun ergänzen?

Diese und weitere Fragen wurden im Rahmen des Feldtages für Energiepflanzen am Donnerstag, den 

01. September 2016, gestellt. Ort des Geschehens war das Informations- und Demonstrationszentrum 

Energiepflanzenanbau am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum Almesbach.

Die Organisation und den fachlichen Input übernahmen die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft LfL), die Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) sowie das Technologie- und Förderzentrum (TFZ). Durch die diesjährige Zusammenarbeit mit dem Fachverband Biogas e.V. sind neben der Führung über die Schaufläche auch Fachvorträge angeboten worden.

 

Almesbach. Dass für die Energiegewinnung aus Energiepflanzen nicht nur Mais eingesetzt wird, kann auf der Anbaufläche in Almesbach begutachtet werden. Zwei Stunden lang standen die Wissenschaftlichen Mitarbeiter der genannten Forschungseinrichtungen Landwirten, Biogasanlagenbetreibern und der interessierten Öffentlichkeit für Fragen und Antworten zur Verfügung. Almesbach ist einer von bayernweit zehn Standorten des Projekts „Informations- und Demonstrationszentren Energiepflanzenanbau". Neben klassischen Kulturen wie Mais und Getreide steht dort eine Vielfalt an neueren Energiepflanzen, wie die Durchwachsene Silphie oder das Riesenweizengras und verschiedene Wildpflanzenmischungen. Gerade jetzt, während andere Pflanzen schon den Herbst vermuten lassen, stehen alternative Energiepflanzen wie die Durchwachsene Silphie noch in voller Blüte und bieten der Insektenwelt und Wildtieren weiterhin Nahrung und Lebensraum. Nach der Ernte werden die Pflanzen in Biogasanlagen vergoren und zu Strom und Wärme umgewandelt.

 

Diese Vielfalt schützt Biogasanlagenbetreiber auch vor Risiken. „Um witterungsbedingte Ertragsausfälle möglichst gering zu halten, ist eine vielgliedrige Fruchtfolge zu fahren", sagte Andrea Sobczyk von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). So wird Getreide, welches im grünen Zustand als Ganzes genutzt wird, mittlerweile als drittwichtigstes pflanzliches Substrat in deutschen Biogasanlagen eingesetzt. Dem Mais gegenüber hat das Wintergetreide den Vorteil, dass es Frühjahrsniederschläge nutzen kann und den Boden über den Winter vor  Erosionen schützt. An feuchtkühlen Standorten kann ein System von Getreide und Weidelgrasuntersaat sogar an ortsübliche Maiserträge herankommen.

 

Diese Aussagen wurden durch Anna Techow noch einmal bestätigt. Sie informierte im Vortragsteil am Nachmittag ausführlich über Sorten- und Untersaatversuche bei Getreideganzpflanzensilagen. „Vor allem die zeitige Gärrestausbringmöglichkeit im Frühjahr und weitere Düngetermine nach jedem Schnitt machen das Anbausystem von Untersaaten im Getreide interessant und bieten gleichzeitig gute Ertragsmöglichkeiten" so Techow.

 

Ein großes Ertragspotential und insektenfreundliche Blüten hat die Durchwachsene Silphie, eine Becherpflanze aus Nordamerika. In Almesbach kann die Kultur Höhen von zwei bis drei Metern erreichen. Immer wieder kommen leuchtend gelbe Blüten von Juli bis September zum Vorschein und locken viele Bienen, Hummeln und Schmetterlinge 

an. Ulrich Kummer, Landwirt und Biogasanlagenbetreiber, hat diese Pflanze selbst angebaut und berichtete über seine Erfahrungen. "Der Anbau der Durchwachsenen Silphie bietet nicht nur gute Erträge, sondern reduziert durch die 10-20 jährige Nutzungsdauer und den geringen bis gar nicht nötigen Pflanzenschutzmitteleinsatz eine enorme 

Arbeitszeitersparnis. Gleichzeitig tut man als Landwirt noch etwas Gutes für die Ökologie“, so Kummer.

 

Marion Wiesheu vom Fachverband Biogas e.V. berichtete als Interessensvertreterin der deutschen Anlagenbetreiber über die seit 8. Juli beschlossene Neuauflage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Wichtig für Anlagenbetreiber ist, dass sie sich nach Ablauf ihres Förderzeitraums nun aktiv am Markt in Form von Ausschreibungen beteiligen müssen. Auch eine Höchstgrenze von maximal 50 Prozent für den Einsatz von Mais in der Biogasanlage ist hier festgelegt worden. „So gewinnen Energiepflanzen, wie sie heute Vormittag auf den Schauflächen gezeigt wurden, an Interesse",  berichtete Marion Wiesheu, Fachreferentin des Fachverbandes.

 

„Seit 2006 sind wir dank der Hackschnitzelheizung wärmeautark" berichtete Helmut Konrad, Leiter des Lehr- Versuchs- und Fachzentrums in Almesbach. Durch die 2015 ans Netz gegangene 75 kW Biogasanlage ist nun auch die unabhängige Stromversorgung nahezu erreicht. Das komplette Energiekonzept von Almesbach stellte Herr Konrad in einem Kurzvortrag und in einer Führung über das Gelände vor.

 

Kurzinfo zum LfL-Projekt Informations- und Demonstrationszentren

Energiepflanzenanbau.

Seit vielen Jahren laufen an den bayerischen Forschungseinrichtungen Versuche zu Energiepflanzen. 2013 haben sich drei Einrichtungen entschieden, ihre Ergebnisse zu bündeln und in anschaulicher Form der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dadurch ist das Projekt „lnformations- und Demonstrationszentrum Energiepflanzenanbau" entstanden. Im Zuge dessen wurden bayernweit zehn Standorte an öffentlichen, landwirtschaftlichen Einrichtungen etabliert, die eine Vielfalt an Energiepflanzen demonstrieren.

 

Projektbeteiligte Forschungseinrichtungen sind 

  • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Freising
  • Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim
  • Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) Straubing

Kurzinfo Fachverband Biogas e.V

Der Fachverband Biogas e.V. vertritt die Biogasbranche im Dachverband der Erneuerbaren Energien, dem Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) e V. Mit rund 4.900 Mitgliedern ist er Europas größte Interessenvertretung der Biogasbranche. Der Fachverband Biogas e V. setzt sich bundesweit ein für Hersteller und Anlagenbauer sowie landwirtschaftliche und industrielle Biogasanlagenbetreiber. www.biogas.org

 

Kontakt:

Fachverband Bayern e.V.

Andrea Horbelt

Pressesprecherin

Tel. 08161/98 46 63

Mail: andrea.horbelt@biogas.org

 

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)

Andrea Sobczyk

Projektkoordinatorin

Tel. 08161/71 44 87

Mail: Andrea.Sobczyk@LfL.Bayern.de

 

Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG)

Marzini Kornelia 

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Tel. 0931/98 01 425

Mail: Kornelia.Marzini@LWG.Bayern.de

 

Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ)

Tatjana Lunenberg

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Tel. 09421/300 072

Mail: Tatjana.Lunenberg@TFZ.Bayern.de

 


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